06.-08.Nov.2009

Säkulare Werte in Europa


Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V.


Junge Leute diskutierten säkulare Werte


Kürzlich trafen in der Jugendbildungsstätte Klingberg junge Leute aus Schweden und Deutschland zusammen, um sich über säkulare Werte in Europa auszutauschen. Europa beruht auf einer Vielzahl von Kulturen und Traditionen. Ausgangspunkt der Konferenz war, dass sich zukunftsfähige Wertvorstellungen sich nicht von göttlicher Autorität und auch nicht von einer einzelnen Kultur oder Tradition herleiten, sondern im jahrhundertelangen Kampf vor allem der Aufklärung und des Humanismus den autoritären Herrschaftssystemen abgerungen worden sind.

Auf der Jugendkonferenz, die vom Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften in Zusammenarbeit mit der Europäischen Humanistischen Föderation veranstaltet wurde, kamen wir als junge Europäerinnen und Europäer zusammen, um unsere Sichtweisen zu säkularen Werten in den verschiedenen Nationen Europas zusammenzutragen und gemeinsame Wege zu ihrer Verwirklichung zu diskutieren.
In unserem ersten Workshop zu integrativer Werteerziehung in Schulen für Weltbürgerlichkeit und Menschenrechte haben wir diskutiert, was ethische Werteerziehung ist und wie sie konkret umgesetzt werden kann. Es gibt in unserer Gesellschaft einen Bedarf für Menschenrechtsbildung und der Erziehung zu Weltbürgerlichkeit. Daher diskutierten wir einige Ideen, wie Schüler mehr in ihre Schulbildung einbezogen werden können. An dieser Stelle wurde z.B. die Notwenigkeit von freundschaftlicheren Beziehungen an Schulen genannt. LehrerInnen und SchülerInnen sollten sich auf der gleichen Ebene begegnen. Schüler sollten mehr Mitbestimmungsrechte erhalten, wie z.B. in Schülerräten schon realisiert. Wir einigten uns, dass Werte, Weltanschauungen und Religion objektiv gelehrt werden sollen und die Möglichkeit bestehen muss zu diskutieren. Die Schüler müssen befähigt werden, ihre Werte auch zu leben. Werteerziehung sollte daher in allen Ländern als eigenständiges Fach in den Stundenplan integriert werden.
Der zweite Workshop gab eine Einführung zur Vision IHEYO und grundlegenden Fragestellungen zu Werten. Was sind Werte und welche Werte sind uns wichtig? Und gibt es eine Hierarchie? Zusammenstellung humanistischer Werte und deren Definition und Klärung, ob Hierarchie notwendig ist oder überhaupt möglich ist? Es war nicht möglich, eine übereinstimmende Hierarchie zw. den Teilnehmern herzustellen, da jeder andere Prioritäten setzt. Daraus ergibt sich eher eine Zirkulationsdarstellung aller Werte, da jeder Wert einen anderen mit bedingt und somit nicht allein stehen kann. Nach der theoretischen Erarbeitung dieser Wertestruktur gab es einen Überblick über praktische Umsetzungen dieser in der internationalen Jugendarbeit von humanistischen Organisationen und Netzwerken. Wichtige Erkenntnisse sind eine gute Beispielwirkung eigener Werte in der alltäglichen Umsetzung (Säkulare Werte sind nur durch Verhaltensveränderung möglich, nicht durch dogmatische Vorgaben) und Austausch von Arbeitsschwerpunkten und Methoden für eine verbesserte Kommunikation und Evaluation der eigenen Aktivität im jeweiligen Land oder Organisation.
Der dritte Workshop stellte die Frage, wie wir weltanschauliche Selbstbestimmung und politische Mündigkeit für die jungen Europäerinnen und Europäer erreichen. Als erstes demonstrierten wir, dass es eine große Differenz gibt zwischen dem, was Humanisten und Freidenker gern kommunizieren möchten und dem, was sie tatsächlich kommunizieren. Um tatsächlich Mehrheiten für unsere Werte zu erlangen, müssen wir uns auf die wesentlichen Werte beschränken und unsere Werte auf sechs Wegen kommunizieren: 1. Politische Säkularisierung fördern, 2. die Lücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft schließen, 3. Humanismus in Politik, Wirtschaft und sozialen Aktivitäten demonstrieren, 4. religiöse Erziehung hin zu einer integrativen Weltanschauungserziehung für jedermann verändern, 5. Aktivitäten der gesellschaftlichen Basis verstärken und 6. zu mehr Kooperation zwischen humanistischen und ähnlichen Organisationen ermuntern.
Der letzte Workshop beschäftigte sich mit Herausforderungen für eine säkulare Ethik in Bezug auf die globalen Krisen (Metakrise, beinhaltend: Wirtschaftskrise, Klimakrise, Armutskrise, Ressourcenkrise ...). Unser Ausgangspunkt war die These, dass Wirtschaft ist ein Teil des sozialen Systems ist und nicht davon getrennt operieren darf. Aus unserer Sicht stellen sich in diesem Zusammenhang folgende Herausforderungen: 1. Durchsetzung einer globalen Demokratie, die sich auf Humanismus gründet und über entscheidende ökonomische Handlungskompetenzen verfügt. 2. Veränderung der Einstellung zu Energie auf einer individuellen, sowie strukturellen Ebene. 3. Stärkung der Transparenz externer Effekte von Gütern und Dienstleistungen. 4. Förderung von mehr globaler Solidarität, die auch mehr Verantwortlichkeit für die globale Krise einschließt (z.B. Förderung des Fairhandelsgedanken).

Insgesamt kann die Jugendkonferenz als erfolgreich eingeschätzt werden. In einer sehr guten und offenen Atmosphäre wurde konstruktiv miteinander gearbeitet. In einem Jahr soll es eine Folgekonferenz geben.

Tina Bär

secular values in europe


Youth discussing secular values

From 6th till 8th November European Youngsters meet in Klingberg in Germany to discuss secular values. Europe is based on a variety of cultures and traditions. The conference was driven by the perception that future-compliant values do neither derive neither from divine authority nor from a single culture or tradition. They have been wrenched from authoritarian regnancy in the century-lasting fight for enlightenment and humanism.

On the youth conference we came together as young Europeans to collect our point of views regarding secular values and to discuss common ways of their implementation in four workshops.
In our first workshop on integrative value education in school for a global citizenship and human rights we discussed what value education is and how it can be realized in practise. There is a need in our society today for an education in human rights and global citizenship. Therefore we discussed some ideas how students can be more involved in their education. There is a need of friendlier relations for example. Teachers and pupils should be on same level like "friends". Students should have the chance to participate in student's councils. We agreed that values, life stances and religion should be taught objectively with the opportunity to discuss and enable the students to live according to these values. For that value education should be integrated in the curriculum as a separate subject in every country.
The second workshop introduced the vision of IHEYO and questions around the issue of values. What are values and which values are important for us? And is there any hierarchy? There was a summary of humanist values and their definition and we clarified, if there is a need or the necessity of putting them into an hierarchy. It was not possible to find an overall acceptable hierarchy of all participants as each of them had their own priorities. Due to that reason we created a circle/circulation out of all values, where it is clear stated that each value is determinating the other and cannot stand on its own. After this theoretical introduction of a value structure, we went further to an overview of practical examples out of the international youth work of humanist organisations and networks, mostly driven by examples from IHEYO. Important realizations are seen in our own impact of values in daily circumstances (f.e. - secular values are just being possible through a change of attitude not through a dogmatic demand) and an exchange of activities in each country or organisation, which creates lots of motivation, encouragement between the youngsters and a strengthening of the commitment to humanism.
During the third workshop on how we can reach an ideological self-determination and political majority for young Europeans we first demonstrated that there's a big difference between what humanists and freethinkers want to communicate and what we actually do communicate. In order to actually gain a political majority amongst young Europeans we need to focus on the core values and communicate them via six main topics and/or methods. These are (1) promote political secularization, (2) minimizing the gap between science and society, (3) Demonstrate humanism in political agendas, economics and social activities, (4) move from religious education to life-stance education for everyone, (5) increase grass-root activities, (6) encourage cooperation and organizing of humanist and linked groups.
The last workshop focused on challenges of secular ethics regarding global crisis' (metacrises including economic crises, climate crises, poverty crises, crises of recourses ...) our starting point was the theses, that economy is part of social system and cannot be regarded outstanding of it and can not operate independently. We identified the following challenges:  1. enforcing global democracy based on humanism (with remarkable economical compentencies), 2. changing attitude to energy on personal as well as structural level, 3. strengthening transparency in external effects of goods and services, 4. promoting more global solidarity, including more responsibility for global crises (e.g. promoting fair trade thinking).

Tina Bär