IHEU-Kongress

IHEU-Kongress in Oslo

Höhepunkte des IHEU-Kongresses und der Generalversammlung in Oslo vom11-15 August 2011


Der offizielle Teil für alle Teilnehmer war auf die Zeit vom 12.-14. August terminiert. Die zweigeteilte Generalversammlung begann bereits am 11. und wurde nach dem Kongress am 15. August weitergeführt, an dem die Resolutionen des Kongresses nochmals diskutiert und verabschiedet wurden.
Oslo und ganz Norwegen stehen immer noch unter dem Schock des Attentates vom 22.7.2011. Alle Sprecher, angefangen vom Kronprinzen Haakon, würdigten die Reaktion der politisch Verantwortlichen,
mit noch mehr Offenheit in der Gesellschaft zu reagieren.

In Einzelgesprächen wurde aber deutlich, dass das politische Klima vor dem Attentat sehr rau geworden war und erst jetzt wird deutlich, dass die Politiker bei allen gegensätzlichen Auffassungen vor allem die Aufgabe haben, aufeinander zuzugehen. Ich selbst sah Menschen mit Tränen in den Augen auf die zerbombten Regierungsgebäude zugehen oder die Plüschtiere der getöteten Jugendlichen in einem bereits verwelkten Blumenmeer rund um den Osloer Dom betrachten.

In eine Welt, die zum globalen Dorf zusammen wächst, passen keine Religionen mit Absolutheitsanspruch. In meinen Augen sind diese Absolutheitsansprüche der Auslöser für Fundamentalisten in allen Religionen. Dieser Hinweis, dass es sich bei dem Attentäter um einen christlichen Fundamentalisten handelte, wurde ja sehr schnell umgewandelt
in einen Anhänger einer rechtsextremen Partei. Dies ist m. E. zu kurz gesprungen.
Das Kongresszentrum im sehr überschaubaren Oslo liegt nur etwa 200 Meter von den ausgebombten Regierungsgebäuden entfernt und hatte Glück, dass dort nicht auch Glasscheiben zu Bruch gingen und der Kongress ungestört stattfinden konnte.


Ein anderer Höhepunkt für mich war dann der Auftritt von Sophie in't Veld, die im EU Parlament Vorsitzende der „Parlamentsplattform für Säkularismus in der Politik“ ist. Im persönlichen Gespräch merkte sie an, dass der Papst zwar eingeladen sei, vor dem EU Parlament zu sprechen, aber wegen dieser von ihr gegründeten Plattform, nicht kommen wird. Welch ein Unterschied zum deutschen Parlament! Schon von daher müssen wir die Zusammenarbeit mit dem EU-Parlament suchen, um die Verfilzung zwischen christlichen Religionen und Staat in Deutschland aufzulösen. Mich freut, dass Frau in't Veld zugesagt hat, eine Assistentin aus ihrem Stab zu unserem Seminar in Schney vom 27.-29.1.2012 zu schicken, das ja unter dem Thema steht „Integration - Eine Welt
braucht Säkularismus“.


Lars Gule, ein norwegischer Philosoph, beschäftigte sich intensiv mit dem Problem des Terrorismus in den so offenen Gesellschaften in den skandinavischen Ländern. Er fasste seine Position von Toleranz
in den Satz zusammen: „Ich bin für das Kopftuch, auch wenn ich das ablehne“.

 Oder Taslima Nasrim, die sich für die Menschenrechte und die Gleichberechtigung der Frauen einsetzt, nicht mehr in ihr Heimatland Bangladesh einreisen darf und ihre Kritik am Islam in dem Satz komprimierte:
„Koran is written for pleasure of man“.


Es sei noch Peter Eigen genannt, Gründer von Transparency International, der die Korruption im Denken der nördlichen Länder kritisierte. Staat und internationale Konzerne treiben Handel mit Ländern, die weder Umweltstandards noch Menschenrechte einhalten und exportieren Waren, die
zu Hause längst verboten sind. In diesem Zusammenspiel von Staat und Großkonzernen muss die Zivilgesellschaft eine regulierende Rolle übernehmen, um unsere Lebensgrundlagen zu sichern.


Alles gute Ansätze, aber ich war überrascht, wie wenige konkrete Schlussfolgerungen gezogen wurden.
Es wurden drei Resolutionen vom Kongress angenommen:
1. Resolution on Corruption
2. Resolution on the pastoral support of non-religious military personnel
3. The Oslo Declaration on Peace


Mit Unterstützung des Exekutiv Komitees ist es mir in der abschließenden Generalversammlung gelungen, in der 3. Resolution einen Querverweis auf das Rome Statute of the International Criminal Court (ICC) unterzubringen. Denn alles Gerede über Menschenrechte war bis 2002 ohne ICC nichts
mehr als ein moralischer Appell, an den sich niemand halten musste. Diese Ergänzung wurde dann von der Generalversammlung einstimmig angenommen.

Die Individualisierung von Verbrechen
gegen die Menschlichkeit ist ein qualitativer Fortschritt in der Rechtsprechung, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Kofi Annan sei Dank, dass er diesen internationalen Rechtsstandard durchgesetzt hat. Der Einwand von Richard Norman, der ICC könne ja seine Urteile wie z. B. gegen den Präsidenten des Sudan nicht durchsetzen, ist m. E. in diesem Zusammenhang
belanglos. Die Kriegsverbrecher von Jugoslawien hätten niemals nach Den Haag ausgeliefert werden können, wenn diese Änderung in der Rechtsauffassung nicht Platz gegriffen hätte und die EU diesen Rechtsstandard zur Bedingung für die Aufnahme Serbiens in die EU gemacht hätte.

Das Individuum ist für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich und niemand sonst. Auch die Korruption im Denken der Industriekapitäne internationaler Konzerne der nördlichen Hemisphäre wird erst einzudämmen sein, wenn die Hoheit über die Energieversorgung wieder an den
Bürger zurückgegeben und dezentralisiert wird. Der Mensch steht im Mittelpunkt und nicht ein Konzern oder der Profit.

Ottobrunn, 20.7.2011 Horst Prem
Vizepräsident des DFW