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Andere Bücher über den Buchhandel

 

 

Klingberger Reihe 1

"Grundwerte in einer sich wandelnden Welt."

 Der Wertewandel im Spannungsfeld zwischen Politik und Weltanschauung

128 Seiten, Broschur. 1993

Vergriffen

 

 

 

 

 

Klingberger Reihe 2

"Der ökologische Umbau der Industriegesellschaft."

100 Seiten, Broschur. 1994

Vergriffen

 

 

 

 

 

 

 

Klingberger Reihe 3

"Calcutta liegt bei Hamburg" 

ISBN 3-922483-53-4

 Chancen und Risiken des globalen Dorfes.

64 Seiten, Broschur. 1995

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klingberger Reihe Nr. 4

"Sich von der Welt ein Bild machen"

ISBN 3-922483-54-2

Arbeit Bildungspolitik und Religion/Weltanschauung in Deutschland im Zeichen globaler Vernetzung

Festschrift anläßlich des 20jährigen Bestehens der Bildungsstätte Klingberg

Mit Beiträgen von Prof. Dr. Jörg Albertz, Jürgen Becker, Dipl.-Ing. Horst Prem, Dr. Wolfgang Kaul, Dr. Volker Mueller, IngaScharf/Frank Zimmermann, Joachim Bark, Sigurd Bressel, Elke Lazarraga

126 Seiten, Broschur.1999

 

 

 

 

 

 

 

Klingberger Reihe Nr. 5

"Wertekonsens in Europa / Consensus on Values in Europe"

ISBN 978-3-922483-55-7

Die Grundsätzliche Behinderung der Integration in Deutschland / The Constitutional Obstruction of Integration in Germany

Klingberg-Seminare 12.-14. Oktober 2007 und 16.-18. November 2007

Mit Beiträgen von Dipl.-Ing. Horst Prem, Olaf Christensen, Mnfred J. Paul, Soner Erdogmus, Roy W. Brown, Dr. Volker Mueller, Renate Bauer, Heiko Porsche,

86 Seiten, Broschur. 2008

 

 

 

 

 

 

 

Klingberger Reihe Nr. 6

"Integrativer Werteunterricht als europäische Aufgabe"

ISBN 978-3-922483-56-4

Beitrag zur Integration in pluralistischen Gesellschaften

 Mit Beiträgen von Dipl.-Ing. Horst Prem, Dr. Georges Liénhard, Laura Weissmüller/Mina Ahdi, Olaf Christensen, Norbert Weich, Gerd Eggers, Dominik Helbing, david Pollock, Dr. Volker Mueller, Werner Schulz, Dimitri Sfingopoulos, Andrew Copson, Peter Kriesel, Heiko Porsche, Suzy Mommaerts, Renate Bauer

85 Seiten, Broschur.2009

 

 

 

 

 

 

 

 

Klingberger Reihe 7

Globales Lernen und lokales Handeln

 ISBN 978-3-943624-11-3

Mit Beiträgen von Dipl.-Ing. Horst Prem, Peter Kriesel, Heiko Porsche, Eike Möllers, Jean Ziegler

 

Was läuft schief mit der Integration fremder Kulturen in Deutschland und in Europa? „Der Umgang mit moralischer und religiöser Vielfalt ist eine der größten Herausforderungen, mit denen unsere Gesellschaften gegenwärtig konfrontiert sind“. Dies steht auf dem Klappentext des Büchleins von Jocelyn Maclure und Charles Taylor des im Suhrkamp Verlag erschienen Büchleins „Laizität und Gewissensfreiheit“. Auch das Land Que­bec hat mit diesen Problemen zu kämpfen und kam nach ein­gehender Analyse zum Er­gebnis, 2008 den Konfessionsunter­richt an den Schulen durch einen staatlichen Unterricht verbind­lich für Alle „Ethik und religiöse Kultur“ zu ersetzen. Im Land Berlin wurde nach fünf Frauenehrenmorden endlich ein für alle Kon­fessionen verbindlicher Ethikunterricht eingerrichtet. Der Konfessionsunterricht bleibt davon unberührt.
2011 sagte sich in Norwegen ein Einzelner auf brutalste Wei­se vom Zusammenleben mit Unterschieden zwi­schen Menschen und Kulturen los. 2012 tötete in Tou­louse ein junger Franzose sieben Menschen und in Deutschland mordete eine Bande, die sich nationalso­zialistischer Untergrund nannte, über 10 Jahre un­entdeckt 10 ausländische Unternehmer.
Wie gelingt die Integration unterschiedlicher Kulturen im globalen Dorf in Achtung vor den Unterschieden und im Wissen, eine gemeinsame Welt dabei zu teilen? Ist es nicht vor allem wichtig, zu einem Gespräch zu kommen, in dem wir nicht von Ab­solutismen ausgehen, von unbedingt gültigen Werten, sondern von dem, was dem vorausgeht, dem Wissen darum, wie wir uns ge­genseitig verstehen und verständigen. Seit 1789 die fran­zösische Nationalversammlung die Menschen­rechte und die Gleichberechtung aller verkündete, sind sie zum An­sporn für viele geworden, nach Freiheit und Demokra­tie zu streben.
Unsere These ist: Mit Laizität in der Politik, wenn der Staat neutral gegenüber Religionen und Weltanschau­ungen eingestellt ist und handelt, ist die Vorausset­zung für die Menschenrechte am besten zu verwirkli­chen. Fahndungslisten reichen dafür nicht aus.

Eike Möller                Horst Prem

Klingberger Reihe Nr. 8

Menschenrechte statt Extremismus

ISBN 978-3-943624-16-8

Beiträge von Dipl.-Ing. Horst Prem, Manfred Paul, Prof. Dr. Wolfgang Deppert, Olaf Christensen, Heiko Porsche, Dr. Jörg Last, Eike Möller 

83 Seiten, Broschur, 2014

In unserem Seminar sind wir der Frage nachgegangen,
ob die Menschenrechte eine gemeinsame ethische
Basis aller Weltanschauungen und Religionen sein
können. Dazu haben wir die Entwicklung der
Menschenrechte von Thomas Paine bis zur
Menschenrechtserklärung der UNO 1948 in Paris
verfolgt. Wir stellen uns der Frage, ob diese
Maßnahmen einen Fortschritt im menschlichen
Miteinander erbracht haben. Sicher können wir in
Deutschland gewisse positive Beispiele aufzeigen, wie
z.B. die Integrationspolitik des Bezirksbürgermeisters
des Berliner Stadtteils Neukölln, Heinz Buschkowski. In
Berlin ist es auch als erstem Bundesland gelungen,
einen für alle Schülerinnen und Schüler verbindlichen
Ethikunterricht an den allgemeinbildenden Schulen
einzuführen, in dem die Kinder und Jugendlichen
unterschiedlicher Kultur- und Religionszugehörigkeit
über wichtige ethische Grundfragen ins Gespräch
miteinander kommen. Andere Bundesländer gehen
leider den entgegengesetzten Weg, indem sie einen
eigenen Islamunterricht neben anderen Religionen
zulassen, der die Kinder in wichtigen Fragen trennt und
ein notwendiges Miteinander verhindert.
Natürlich muss unsere Aufmerksamkeit auch auf die
zahlreichen Menschenrechtsverletzungen nicht nur
weltweit, sondern auch in Deutschland gerichtet werden.
Dabei sind es nicht nur die spektakulären
Menschenrechtsverletzungen, die uns erschüttern, wie
die Serienmorde von Anhängern der
rechtsextremistischen Gruppe NSU an ausländischen
Mitbürgern.
Uns beunruhigen auch kleinere
Menschenrechtsmissachtungen wie die Kündigung einer
jungen Frau, die in einem kirchlichen Kindergarten
arbeitete, der weitgehend durch öffentliche Mittel
finanziert wird, weil sie ein uneheliches Kind erwartete.
Nach Darlegung dieser Sachverhalte haben wir
Überlegungen angestellt, wie unsere Grundüberzeugung
verbreitet werden kann, dass die Beachtung der
Menschenrechte eine ethische Basis in weiten Teilen
der Welt sein können, die statt Extremismus ein
friedliches Miteinander ermöglichen.
Eike Möller (Unitarische Akademie)

Klingberger Reihe Nr. 9

Extremismusprävention

Ergebnisse des Seminars vom 3.-5.10.2014

ISBN 978-3-943624-20-5

99 Seiten, broschiert

Europa braucht einen neuen Identifikationskern, wenn auch zukünftig eine friedliche Entwicklung garantiert werden soll. Die zentrifugalen und desintegrierenden Kräfte bis hin zur Friedensgefährdung durch Machtgelüste von Despoten an den EU-Außengrenzen überwiegen. Die konventionellen militärischen Antworten auf diese Herausforderungen haben bisher nicht die gewünschten Erfolge gebracht. Von Nachhaltigkeit, die eine friedliche Entwicklung garantieren kann, ist in der Politik wenig zu spüren. Gleichzeitig führt Perspektivlosigkeit in einer pluralen Geschellschaft Jugendliche dazu, sich extremistischen Gedanken zu nähern und sich als Gotteskrieger zu verdingen. Es gibt sicherlich keine Patentrezepte. Jedoch wird die Entwicklung einer nachhaltigen Energieinfrastruktur ein Weg sein, der einen entscheidenden Beitrag zur Friedenssicherung, zum Abbau von Migrationsdruck und Perspektivlosigkeit der jungen Generation leisten kann.

Welche Ziele im Erziehungswesen verfolgt werden müssen, um von einer Abschottungskultur der Industrieländer zu einer Willkommenskultur zu kommen, wurde in verschiedenen Beiträgen beleuchtet. Als offene Fragen blieb im Raum, ob Ausweisentzug langfristig eine sinnvolle Maßnahme zur Extremismusprävention darstellt. Sind nicht viel grundsätzlichere Änderungen in unserem Erziehungswesen nötig, um einerseits umweltverträgliche Wohlstandsmöglichkeit in Ländern der Dritten Welt und gleichzeitig eine Willkommensstruktur aufzubauen? Am Beispiel Quebec wurde deutlich, welche Zeiträume ein derartiger Mentalitätswandel in der alten industriellen Denkweise erfordert. Deshalb erscheint eine Koppelung von nachhaltigen Erziehungszielen mit nachhaltigen technologischen Zielen Europas ein erfolgversprechender und zeitsparender Weg zu sein. Somit kann der unumgängliche Klimaschutz zum Hilfsmittel werden, den nötigen Mantalitätswandel zu befördern. 

Klingberger Reihe Nr. 10

Wirtschaftsethik

Ergebnisse des Seminars vom 2.-4.10.2015

ISBN 978-3-943624-33-5

Mit dem Thema Wirtschaftsethik greifen wir ein aktuelles Thema der sozialen Marktwirtschaft auf. Sicherlich befindet sich die soziale Marktwirtschaft auf dem Weg zur sozialen und ökologischen Marktwirtschaft. In dieser Übergangsphase erhebt sich die Frage, ob unser Steuersystem vorbereitet ist für den Übergang?

Beim Bürger ist inzwischen viel mehr Geld konzentriert als zu Zeiten, in denen die Besteuerung der Einkommen festgelegt wurde. Um sinnvolle Investitionen auszulösen, müssen dann nicht die Steuergesetze ergänzt werden? Reicht hier die Besteuerung der Einkommen, wie sie im beginnenden Industriezeitalter einmal festgelegt wurde? Ist die Steuerhinterziehung ein Phänomen der nicht angepassten Steuergesetze, die dem Bürger keine sinnvollen Investitionsmöglichkeiten aufzeigen? Ein wesentliches Gesetz, das EEG, das zum Aufwuchs der abgasfreien, ressourcenschonenden und weltweit anwendbaren Energiewandlung geführt hat und vom Bürger als Klimaschutz-Prävention akzeptiert wurde, wird so umgestaltet, dass bevorzugt Großindustrien investieren können.

Wo bleibt eine Gesetzgebung für eine Ökonomie für den Menschen? Muss immer erst ein Massensterben im Mittelmeer eintreten, bevor die EU und Deutschland eine Willkommenskultur entwickeln, die den Migrationsdruck abbaut?

Seit Durchführung des Seminars hat nun zusätzlich der VW-Abgasskandal die Welt erschüttert. Ist die Ethik im Wirtschaftsleben auf Betrug aufgebaut? Der Normalbürger reibt sich die Augen und ist verwirrt, denn die Industrie tritt den Klimaschutz mit Füßen. So jedenfalls können wir nicht weitermachen, denn dann übergeben wir künftigen Generationen eine kaputte Welt.


Horst Prem

Buchbesprechungen:
Individualistische Wirtschaftsethik (IWE)

Von Wolfgang Deppert ist im Verlag Springer-Gabler das Lehrbuch „Individualistische Wirtschaft­s-ethik“ erschienen. Es ist durchaus ungewöhnlich für einen Philosophen, sich mit aktuellen Themen zu befassen. Es ist aber dringend notwendig.

Der Bogen ist weit gespannt und reicht von der Kritik an den Grundlagen der Wirtschaftswissen­schaften bis hin zur Kritik an der Verschulung der Universitäten (Bologna Prozess) aber auch bis zum Artikel 146 GG, der 25 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht erfüllt ist. Er lautet:

Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die vom deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“

Kernpunkt der IEW ist die Anwendung der individualistischen Ethik auf das Gebiet der Wirtschaft. Einer seiner Kernsätze neben den zahlreichen Definitionen ist:

„Die Freiheit zur Ausbildung einer eigenen religiösen Sinnstiftung wird schon durch den Religions­unterricht in der Schule systematisch unterdrückt. Die damit verbundene Sinnleere gerade bei jun­gen Menschen, die aufgrund der Sinnlosigkeit freiwillig in den Tod gehen oder noch eine Spur des Grauens durch einen Amoklauf hinter sich herziehen oder andere terroristische Aktionen betreiben, geht auf das Konto verheerender kirchlich gelenkter Bildungspolitik.“

Die sechs Hauptüberschriften sind:

 

  • Von Anfang an
  • Die ethischen Probleme unter den Menschen
  • Ableitung einer individualistischen Ethik
  • Wirtschaftsethik als Konsequenz individualistischer Ethik
  • Vergleichende Anwendung von bedeutungstheoretischer und individualistischer Ethik zum Erklärungsproblem des Prinzips der „unsichtbaren Hand“
  • Vom Umgang der staatlichen Wirtschaftssubjekte mit sich und den nichtstaatlichen Wirt­schaftssubjekten

Natürlich kommen Depperts Definitionen der äußeren und inneren Existenz des Menschen vor. Hauptkritik ist, dass die innere Existenz des Menschen in unserem Casino-Kapitalismus nach wie vor ein Fremdwort ist. Damit wird der Motivationskern des Menschen auf den monetären Bereich reduziert. Zur Überlebenssicherung des kulturellen Lebewesens „Menschheit“ müssen aber alle Überlebensfunktionen angesprochen werden, die Deppert wie folgt gliedert:

  1. Wahrnehmungsfunktion
  2. Erkenntnisfunktion
  3. Maßnahmenbereitstellungsfunktion
  4. Maßnahmendurchführungsfunktion
  5. Energiebereitstellungsfunktion

In einer Zeit, in der Deutschland in Wirtschaft und Politik Gefahr läuft, zum Selbstbedienungsladen zu werden, erscheint mir der Ansatz der individualistischen Wirtschaftsethik (IWE) in höchstem Maße bedenkenswert, der auf die Forderungen an den Einzelnen zurückgeführt wird:

 

  • Kümmere dich selbst aus Verantwortung vor und für dich selbst um Interessen anderer und gehe auf diese Interessen ein.
  • Unternimm aus Selbstverantwortung etwas, durch das du deine Leistung anbietest, die die­sen Interessen anderer entgegenkommt.

Ein lesenswertes und bedenkenswertes Buch.

Ottobrunn, 24.1.2015 Horst Prem

Grundwissen Ethik / Praktische Philosophie

Beim Seminar in Klingberg „Globales Lernen – Lokales Handel“ hat Peter Kriesel auf sein Büchlein im Klett-Verlag verwiesen. In diesem Büchlein sind aus der Sicht einer pluralen Gesellschaft die ethischen Grundfragen behandelt.

Es ist das erste Ethik-Buch, in dem auch die Herleitung der Menschenrechte richtig dargestellt ist.
1789 hat nämlich die Französische Nationalversammlung die Menschenrechte auf Betreiben von Thomas Paine in nationales Recht umgesetzt. 1948 hat die UNO auf Druck französischer Intellektueller die Menschnrechte erst auf die Tagesordnung gesetzt und dann am 8.12.1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte abgegeben.

Der Grundtenor liegt dabei auf der Betonung der Individualität der Menschenrechte. Anzumerken ist, dass leider der Hinweis auf den
Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag fehlt, der erst 2002 installiert wurde und die Menschenrechtsverletzung am Verhalten des Individuums spiegelt und festmacht. Dies ist auch deshalb wichtig, weil 1981 afrikanische Staaten und danach islamische Staaten versucht haben, in die  Menschenrechte aufgrund ihrer kolonialen Vergangenheit Rechte für Völker
oder Rechte aus religiösen Vorstellungen hineinzuinterpretieren. Dies entspricht wiederum einer Einschränkung der universalen Menschenrechte.

Kriesels Büchlein beschreibt die Zusammenhänge richtig. Es ist ein wesentlicher Beitrag zur Verankerung unserer Werte nicht in einer religiösen Tradition, sondern in der aufklärerischen Erkenntnis, dass alle Menschen frei geboren sind und gleiche Rechte besitzen. Dennoch sind wir in der Welt, wie oben beschrieben, meilenweit entfernt von einem universalen Konsens über die Menschenrechte.
Wichtig erscheint mir, dass Kriesel zusammen mit seinen Co-Autoren Bernd Rolf und Brigitte Wiesen ein Büchlein vorgelegt hat, das zur Werteorientierung in einer pluralen Welt beiträgt und das „Gottesgnadentum“ in der Ethik überwindet.


P. Kriesel, B. Rolf, B. Wiesen, Grundwissen Ethik/Praktische Philosophie, Ernst Klett Verlag,
Stuttgart Leipzig, 1. Auflage 2007.


Horst Prem

Laizität und Gewissensfreiheit

„Globales Denken – Lokales Handeln“ setzt die Entkonfessionalisierung der Schule voraus. Genau das Gegenteil betreibt die Politik. Werte werden in noch mehr konfessionell getrennten Klassen unterrichtet. Fahndungslisten und zusammengelegte Verfassungsschutzämter sollen helfen, die Orientierungslosigkeit junger Menschen in der pluralen Gesellschaft zu beheben.

Einzig das Land Berlin hat nach fünf Frauenehrenmorden einen verbindlichen Ethikunterricht für alle eingeführt. In der kanadischen Provinz Quebec hat ein gesellschaftlicher Konsens auf eine offenen Laizität des Staates zur Entkonfessionalisierung der Schulen geführt.

Beschrieben sind diese Zusammenhänge in dem Büchlein von Jocelyn Maclure & Charles Taylor „Laizität und Gewissensfreiheit“. Quebec ist die erste westliche Demokratie, die ausgehend von einer pluralen Gesellschaft einen verbindlichen Ethikunterricht für alle in staatlicher Verantwortung eingeführt hat. Es kommt damit der staatlichen Verpflichtung zur Integration in einer pluralen Gesellschaft nach. Dieser Unterricht läuft unter der Überschrift „Ethik und religiöse Kultur“.

Die von jungen Menschen ausgeführten Attentate auf Menschen mit anderem kulturellem Hintergrund ob in Deutschland, Norwegen oder Frankreich sind bei aller strafrechtlichen Relevanz auch ein Aufschrei, dass diese Menschen mit der Pluralität unserer Gesellschaften nicht mehr zurechtkommen.


In dem Büchlein „Laizität und Gewissensfreiheit“ sind Lösungsansätze aufgezeigt, die weit über neue Verfassungsschutzämter und Fahndungslisten hinausgehen. Dort heißt es auf S.74/75: „Unseres Erachtens lässt sich ein ziemlich umfassender Konsens unter den sozialen Akteuren ausmachen,
die in den letzten Jahrzehnten über Laizität in Quebec debattiert haben.

Im Mittelpunkt diese Konsenses steht das, was im Bericht Prolux eine „offene Laizität“ genannt wurde und was wir hier als „liberal-pluralistisches“ Modell bezeichnen. Eine offene Laizität erkennt an, dass der Staat neutral zu sein hat – Gesetze und öffentliche Einrichtungen dürfen weder eine Religion noch säkulare Vorstellungen begünstigen -, gleichwohl erkennt sie ebenso die Bedeutung an, die die spirituelle Dimension der Existenz für einige Bürger hat, und die daraus folgende zentrale Aufgabe, die individuelle Gewissens- und Religionsfreiheit zu schützen.

Im Lichte dieser Vorstellung von Laizität hat sich die Mehrheit der Beteiligten beispielsweise gegen die Verlängerung der Ausnahmeklausel
ausgesprochen, die es den Schulen erlaubt, einen weitreichenden konfessionellen katholischen und protestantischen Unterricht anzubieten.

Anstatt zu fordern, dass die Religion vollständig aus der Schule verdrängt wird, wurde aber vielmehr vorgeschlagen, den konfessionellen Unterricht durch
ein Programm zu ersetzen, das den Schülern erlaubt, sich das erforderliche Wissen anzueignen, um die Erscheinungsformen des Religiösen in Quebec und anderswo zu verstehen, und die notwendigen Fähigkeiten des Zusammenlebens im Kontext einer diversifizierten Gesellschaft zu entwickeln
– Ziele, die von dem neuen Unterrichtsfach „Ethik und religiöse Kultur“ übernommen wurden.“

Auf dem Klappentext des Büchleins im Suhrkampverlag steht: „Der Umgang mit moralischer und religiöser Vielfalt ist eine der größten Herausforderungen, mit denen unsere Gesellschaften gegenwärtig konfrontiert sind“.


Horst Prem

Thomas Paine
The age of reason being an investigation of true an fabulous theology by Thomas Paine
The age of reason

The Age of Reason being an Investigation of True and Fabulous Theology

Mover of the "Declaration of Independence", Secretary of Foreign Affairs under the First American Congress, member of the National Convention of France, and Author of "Common Sense", "The Crisis", "Rights of Man" etc.

Als kostenloser Download verfügbar (Größe: 13MB)

Quelle: Library of Congress, Washington D.C