02.-04. Okt. 2009

Menschenrechte – eine Frage der Ehre?


Menschenrechte – eine Frage der Ehre?
Klingberg 2.-4. Oktober 2009

Laut Kriminalstatistik ist die Gesamtzahl der Morde leicht rückläufig, die Zahl der Ehrenmorde steigt seit 2007 aber drastisch an. Dies wurde auch als gescheiterte Integrationspolitik der Bundes­regierung gewertet, die es nicht geschafft hat, insbesondere die “27 m² Ehefrauen" (Anmerk.d.Redaktion: gemeint sind Frauen, die durch innerfamiliäre oder religiöse Zwänge auf ihr engstes Umfeld reduziert sind) in die Gesell­schaft zu integrieren. Wenn die Kinder dann das Schicksal ihrer Mütter sehen, wird der Wunsch der jungen Mädchen umso größer, so nicht leben zu wollen!!! Die Gegenreaktion der Familien mündet schlimmstenfalls im Ehrenmord, der von strafunmündigen Brüdern ausgeführt werden muss.
Menschenrechte sind universale Rechte, die allerdings von verschiedenen religiösen Gruppen nicht anerkannt werden. Dabei hilft auch nicht die Schönrederei über die Friedfertigkeit des Koran. Selb­stmordattentate und Ehrenmorde kommen nun einmal vornehmlich in islamisch geprägten Gesell­schaften vor. Warum ist das so?
Mit diesen realen Problemen beschäftigte sich das Seminar unter obigem Thema.
Wenn Integration in Deutschland stattgefunden hat, dann auf der Basis privater Initiativen, die  staatlich unterstützt wurden, wie z.B. bei der Initiativgruppe zur Integration ausländischer Kinder in München. Der Staat reagiert nun mit Sprachkursen, was generell als zu wenig empfunden wird. Das Land Berlin führte im Rahmen seiner Kultushoheit den Pflichtunterricht Ethik für Kinder aller  Konfessionen ein. Damit wird sicherlich die Integration der Kinder gefördert, das Negativbeispiel der “27 m² Ehefrauen” aber nicht beseitigt.
Auch die Möglichkeit ein Fach Weltbürgerkunde einzuführen, wurde intensiv behandelt. Teil­nehmer und Referenten des Seminars waren sich einig, dass mehr für die Integration von Mi­grantenfamilien getan werden muss, um gesellschaftlichen Konsens zu fördern. Ein gemeinsames Werteverständnis muss konfessionsübergreifend in den Schulen gelehrt werden. Ob dafür der Kon­fessionsunterricht ausreicht wurde bezweifelt.
Die von Thomas Paine (200. Todestag 2009) erstmals formulierten Menschenrechte stellen den Wertekonsens dar, der auch in den Schulen jeglicher Provinienz in den Mittelpunkt des Werteunter­richts gestellt werden muss. Gerichte wie der Internationale Strafgerichtshof sind notwendige Mit­tel, um die Menschenrechte justiziabel zu machen. Vielleicht ist der in Berlin beschrittene Weg des konfessionsübergreifenden Pflichtunter­richtes Ethik der erfolgversprechendere, denn die Auswer­tungen des islamischen Religionsunter­richts zwischen Integration und Parallelgesellschaft1 in Öster­reich zeigen nicht die gewünschten Er­folge.
Aufgelockert wurde die Veranstaltung durch Franz Kafkas “Ein Bericht für eine Akademie”, in der ein Menschenaffe von der Goldküste Afrikas auf seinem Transport zu Hagenbeck nach Hamburg über seine äffische Menschwerdung nachdenkt. Vorgetragen von Karl Koch vom Berliner Tourneetheater regten die Sätze: “Nein, Freiheit wollte ich nicht. Nur einen Ausweg...” zum weiter­en Nachdenken über die Menschenrechte an.

Horst Prem

1 Mouhanad Khorchide, Der islamische Religionsunterricht zwischen Integration und Parallelgesellschaft, VS Verlag für Sozialwissenschaften,      Wiesbaden 2009.